Samstag, 20. August 2011

Es geht wieder los!

Nach der Reise ist vor der Reise.
Eineinhalb Jahre hab ich gebraucht aber nun ist es soweit:
Es geht wieder auf See, der Sonne entgegen!
Hier könnt ihr mitverfolgen wie es weiter geht:
www.segelfreude.blogspot.com

Montag, 1. März 2010

Die Kälte hat mich wieder

Seit letztem Donnerstag bin ich wieder im kalten Hamburg.
Die TurTur ist an den neuen, stolzen Eigner übergeben und ich habe mit Mühe (und vielen Kosten) all mein Gepäck zurück nach Hamburg geschafft.
Hier bin ich zunächst bei meiner Schwester untergekommen und sogleich wieder ins Tagesgeschäft eingestiegen. In den nächsten Wochen werde ich mich nun intensiv um die Firma kümmern müssen, aber ich hoffe spätestens zum Herbst auf einem neuen Boot wieder in See zu stechen.
Natürlich werde ich euch auf dem Laufenden halten...

Dienstag, 23. Februar 2010

Die letzten Tage im Süden

Nachdem der Sturm in Mogan überstanden war, blieb keine Zeit zum Ausruhen.
Zunächst habe ich am Samstag geholfen zwei Charteryachten nach Las Palmas zu bringen, wenig spektakulär so eine Bavaria unter Motor, und am Sonntag ging es dann mit Adolfo und der TurTur auf die gleiche Strecke. Diesmal allerdings deutlich spaßiger.
Bei anfänglich kräftigen Winden durfte TurTur nochmal zeigen was in ihr steckt, mit bis zu 12 Knoten flogen wir in Richtung Norden und Adolfo bekam das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht. Allerdings hat eine mißglückte Halse ihm auch gehörigen Respekt es in den nächsten Monaten hinbekommt und glaube, mit Adolfo als Skipper kann die TurTur ganz weit nach vorne fahren. Zumindest hat er hier in Las Palmas perfekte, ganzjährige Trainingsbedingungen. Der Club Nautico Gran Canaria hat hier einen Super Hafen, mit allem was sich der Segler wünscht, eigener Kran, hervorragende Trainer, Pool, Gym, Sauna, Bar, Restaurant, wirklich nett. Nicht umsonst ist dieser Club einer der erfolgreichsten der Welt. Olympisches Metall wird hier gesammelt wie anderswo Kleingeld.
Und das alles darf ich die letzten Tage hier genießen. Ein schöner Ausklang meines Törns.
Die letzten Tage in der Sonne, bevor es am Donnerstag wieder in die Kälte geht, verbringe ich damit das Boot aufzuräumen, Ausrüstungsgegenstände zu verkaufen und den großen Rest zu packen. 50kg werd ich wohl in den Flieger schleppen.
Das wird mir nicht leicht fallen, denn kaum hatte ich den Rückflug gebucht, macht es beim Stauen eines Segels plötzlich Knack! im unteren Teil meiner Wirbelsäule und seitdem bewege ich mich wie ein sehr alter Mann. Da behaupte noch jemand, Rückenprobleme hätten nichts mit der Psyche zu tun - Alltag du hast mich wieder!
Leider.

Freitag, 19. Februar 2010

TurTur goes Transat! - Turbulente Zeiten in Mogán

Die letzten Tage hatte ich so einiges um die Ohren. Zum einen zeigte der Atlantik einmal mehr seine rauhe Seite und auch sonst ist einiges passiert.
Aber der Reihe nach.
Am Mittwoch Abend kam ein Sturm aus Westen heran, wiedereinmal zog das dazu gehörende Tiefdruckgebiet deutlich südlicher als üblich über den Atlantik.
Schon am Abend zerfetzte der Wind einige ausgerauschte Rollgenuas und sorgte für Aufregung im Hafen, Yachten wurden in letzter Minute verlegt und selbst in der Marina eigentlich unerwünschte Ankerlieger fanden in letzter Minute Unterschlupf.
Donnerstag früh, um 05.00 Uhr ging es dann aber richtig los. Heftige Böen und lautes Geschrei trieben mich aus der Koje.
Auf der TurTur war alles klar und in bester Ordnung, andere Boote hatten deutlich mehr zu leiden. Einige weiter Rollgenuas gingen in Fetzen, besonders spannend ist das bei an Land aufgebockten Yachten.
Festmacher brachen und ließen Boote vertreiben, auch ganze Stege drohten auf Drift zu gehen. An meinem Steg riss die Wasserleitung.
Im geschützten Hafen wurden 30kn Wind gemessen.
Entsprechend wurde auch die Brandung immer imposanter.
Regelmäßig brachen die Wellen über die schon erhöhte Außenmole und lief schäumend über/in die dahinter liegenden Yachten. Aus dem dortigen Steg lösten sich Auftriebskörper und trieben durch den Hafen.
Ein Restaurant auf der Außenmole und auch die Mole selbst wurden von den Brechern erheblich beschädigt.
Die Luft war sprichwörtlich mit Salzwasser / Gischt gesättigt und am nächsten Tag war alles mit einer dicken, klebrigen Salzschicht bedeckt.
Mal wieder ein Moment in dem ich ausgesprochen froh war, im halbwegs sicheren Hafen zu liegen.

Und dann gibt es noch etwas zu berichten, für mich deutete es sich schon in den vergangenen Wochen an aber über ungelegte Eier soll man ja nicht sprechen...
Nun ist es aber offiziell, ich habe die TurTur hier auf Gran Canaria verkauft.
Der neue Eigner will an der Minitransat 2013 teilnehmen und ich freue mich, dass TurTur doch noch auf die Bahn kommt und zeigen kann wie schnell sie ist.
Schon zu Beginn meiner Reise war ich mir im Klaren darüber, dass ein Mini ansich das falsche Boot für den Törn ist. Seglerisch immer wieder eine Herausforderung und ein Riesenspaß, ist das Leben auf 6.50m eben doch sehr eingeschränkt.
Dazu schreibe ich später nochmal mehr.
So geht diese erste große Reise also hier auf Gran Canaria zuende. Natürlich bedaure ich, dass ich die westlichen Inseln nicht mehr besuchen kann, hoffe aber dies bald nachholen zu können.

In den nächsten Tagen wird der Verkauf abgewickelt und ich versuche noch einige Ausrüstungsgegenstände einzelnd zu verkaufen. Einiges wird aber auch den Postweg nach Hamburg nehmen. Ich werde dann wohl Ende der kommenden Woche folgen.
So kanns gehen.

Was passiert sonst noch?
Heute war ich mit Ramona und Wolf im Hinterland zum Wasserfälle gucken. Die Regenfälle der letzten Zeit haben die Berge in grün gehüllt und überall fließt Wasser die Hänge herab. Leider ist dieser Zustand wohl ausgesprochen selten, dafür aber umso schöner.
Am Wochenende wird dann nochmal ordentlich gesegelt. Morgen gehts zunächst mit einer Charteryacht nach Las Palmas und Sonntag bringe ich mit Adolfo, dem neuen Eigner, die TurTur in die Inselhauptstadt.
Soweit aus Puerto Mogán / Gran Canaria

Freitag, 12. Februar 2010

Puerto Mogán - friends and fishermen


Nun bin ich schon vier Tage hier in Puerto Mogán und die Zeit vergeht wie im Flug.
Obwohl das Umfeld sehr touristisch ist, läßt es sich hier gut aushalten.
Das liegt zum einen an den guten Versorgungsmöglichkeiten, Sparmarkt und sonstiger Einzelhandel sowie diverse Restaurants in direkter Umgebung aber vielmehr an den netten Kontakten.
Wolf von "Canarias Charter" ist mir ja schon seit der Planungsphase meines Törns eine stetige und fachkundige Quelle von Information und Unterstützung. Hier in Mogán, seiner Wahlheimat, erweist sich seine Bekanntschaft wiedereinmal als besonders wertvoll.
Liegeplatz, Mietwagen, Versorgungsmöglichkeiten oder Freizeitgestaltung? Wolf findet immer eine Möglichkeit und öffnet viele Türen.
Als i-Tüpfelchen haben er und seine Frau Ramona mich vorgestern noch in ihr Haus zum Abendessen eingeladen. Da frag ich mich wirklich wie ich das verdient habe...
Liebe Ramona, lieber Wolf, vielen Dank für eure Gastfreundschaft, ich freue mich euch nun endlich persönlich kennen gelernt zu haben.
Ramonas Verbindungen ermöglichten mir dann heute auch, mir einen alten Wunsch zu erfüllen und auf einem der örtlichen Fischkutter mit auf "Fangfahrt" zu gehen.
Leider ist momentan keine Thunsaison, daher wird mit Drahtreusen gefischt.
Zwischen sechs und zwölf Uhr haben wir also knapp 40 dieser drei Meter großen, runden Maschendrahtfallen vom Meeresgrund geholt, geleert und wieder versenkt.
Besonders beeindruckt hat mich die Fähigkeit des Skipper Rubén seine Reusen ohne Boje und GPS wieder zu finden. Allein mit Kreuzpeilung (ohne Kompass) führt er den Steuermann direkt über die Reusen. Jeweils fünf dieser Drahtgestelle sind mit einem Seil verbunden. Mit einem Fanganker wird dieses Seil vom Meeresgrund (etwa 50-100m) aufgeholt und dann Reuse für Reuse geleert.
Insgesamt war der Fang ziemlich mager, vier Kisten ausschließlich recht kleiner Fische und ein gutes Dutzend Oktopusse. Als altem Aquarianer tat es mir schon ein wenig weh, wie diesen fantastischen Tieren das Messer zwischen die Augen gerammt wurde. Irgendwas müssen die Wirte den Touristen ja vorsetzen...

Hier im Hafen habe ich dann noch Matthias aus Hamburg und seine Freundin Moisettes aus Belgien getroffen. Beide sind einhand mit ihren kleinen, bescheidenen Booten unterwegs und haben sich erst hier in Mogán kennen und lieben gelernt.
Zusammen ringen sie nun mit diversen technischen Problemen und der Frage wie es gemeinsam weitergeht. Mit zwei Booten oder einem oder gar einem ganz anderen?
Auf der Barfußroute (im Passatwind, Karibik, Panama, Polynesien...) oder in der Westwinddrift um die drei großen Kaps? Viele Fragen sind noch offen, ich drücke die Daumen, dass die beiden bald weiter kommen.

Und wann komme ich weiter?
Naja, ansich hatte ich ja das kommende Wochenende für die Starkwindpassage nach Tenerifa vorgesehen. Womöglich kommt mir der angekündigte Gegenwind jetzt mal ganz gelegen. Noch habe ich nicht genug von Gran Canaria gesehen, möchte unbedingt nochmal mit einem Mietwagen den Süden der Insel erkunden.
Und wenn ich nicht am Samstag loskomme, dann werd ich laut Wetterbericht auch noch eine Woche hier in Mogán bleiben.

Montag, 8. Februar 2010

Aus der Großstadt in die (Tourismus-) Idylle

Las Palmas war quirlig, laut, spanisch, urban.
Nach einem flautigen Tagestörn und unter Begleitung eines kanarischen Miniseglers bin ich gestern Abend in Purto Mogán im Süden der Insel angekommen.
Trotz 120qm gesetzter Segelfläche war die Turtur nur selten gut in Fahrt (kurzzeitig aber schon bei knapp zehn Knoten Wind in Gleitfahrt), zeitweise musste sogar der Motor helfen. Nur deshalb schafften wir die 45 Meilen in neun Stunden.
Kanarische Doldrums sozusagen.
Einmal mehr völlig untypische Wetterbedingungen.
Aber ich will mich nicht beklagen, besser zu wenig Wind als zu viel und obendrein hatten wir auch tolles Wetter, endlich mal wieder einen ganzen Tag in Shorts und T-Shirt segeln. Die (Aus-)Sicht war allerdings bescheiden, es war aber kein Nebel der uns den Blick auf die außergewöhnlich grünen Hänge Gran Canarias verschleierte, wir hatten Calima, so wird auf den Kanaren der Saharastaub genannt, der die Inseln zeitweise umhüllt. Der/die/das Calima sorgte am Abend dann auch mal wieder für einen unbeschreiblichen Sonnenuntergang.
Heute morgen musste ich die TurTur dann nochmal verholen, der neue Platz ist leider ziemlich schwellig aber dafür mit Aussicht auf den Ort.
Puerto Mogán ist eine Tourismusretorte (von einigen wenigen Fischerhütten abgesehen) der eigentliche Ort liegt einige Kilometer im Inselinneren.
Der Tousismus sorgt dann auch dafür, dass deutschsprachige Speisekarten bereitliegen und die Restaurants, den mitteleuropäischen Sitten entsprechend, zwischen 22.00 und 23.00 Uhr schließen und nicht wie in Las Palmas dann erst wirklich öffnen.
Außergewöhnlich und bemerkenswert ist die Leiterin des Hafenbüros, freundlich, hilfsbereit, scherzend und mit einem stetigen Grinsen im Gesicht. So bereitet auch langwieriges Einklarieren Freude.
Dieses bürokratische Einklarierungs Gedöns wird mir immer ein Rätsel bleiben. Locker 20 Minuten für Formulare in dreifacher Ausführung, Stempel, Unterschriften, letzter Hafen, nächster Hafen, was die nicht alles notieren. Und am Ende kommt dann eine Rechnung von kaum sechs Euro/Tag dabei raus, wie rechnet sich das? Und wer guckt sich all die Daten jemals wieder an? Wo lagern die Aktenberge der letzten Jahre?
Einige Fragen werden wohl offen bleiben.
Ich werde jetzt erstmal die TurTur aufräumen und mal gucken ob sich in Valencia beim Americas Cup was tut.

Montag, 1. Februar 2010

Las Palmas...

...ist entgegen dem ersten Eindruck eine nette Stadt. Hinter den grauen Fassaden der Hafenstraße finden sich viele sehenswerte Ecken und der beginnende Karneval bringt zusätzlichen Flair in die Straßen.
Die Marina ist beim momentanen Südwind etwas schwellig und die Sanitäranlagen gehören nicht zu den besten dieser Reise, andererseits finden sich hier so einige schon bekannte Langzeitsegler und zudem noch ein paar Minisegler und -interessierte.
So ergibt sich immer wieder die Möglichkeit für einen Plausch und gar eine Essenseinladung.
Gestern Abend war ich z.B. mal wieder bei den beiden Franzosen und habe so einige Geschichten erfahren. Thierry hat bis zu seinem 15 Lebensjahr mit seinen Eltern die Welt umsegelt und sich nun mit 30 Jahren selbst vom klassischem Lebensplan verabschiedet. In Tahiti saß er früher beim berühmten Moitessier auf dem Schoß und jeden Donnerstag spendierte Bernard Eis für alle Hafenkinder.
Direkt nach unser Ankunft hier in Las Palmas ist er einem schweizer Seglerpaar über den Weg gelaufen, die ihn noch als kleinen Jungen vor 20 Jahren in der Südsee kennen gelernt haben, die Begeisterung war natürlich auf beiden Seiten groß.
Ich warte noch auf passende Winde um auch den Süden der Insel zu besegeln, auf Kreuzen hab ich keine große Lust mehr. Die Zeit bis dahin wird aber nicht zu lang werden, schließlich kann ich hier hinter jeder zweiten Straßenecke was Neues entdecken. Vermutlich gehe ich am kommenden Wochenende den Tagestörn nach Puerto Mogan an.

Nachtrag Kursverlauf


Als Nachtrag zum Törn von Gibraltar nach La Graciosa hier nochmal eine Karte mit unserem Kursverlauf. Unser bestes Etmal lag bei 167,5 Meilen in 24 Stunden, das ergibt einem Schnitt von sieben Knoten.
Die Gesamtstrecke belief sich auf knapp 680 Meilen, für die wir 7,5 Tage benötigt haben.
Es war eben ein ziemlich schwachwindiger Törn.

Freitag, 29. Januar 2010

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Den Sommer eingeholt

Nach einigen Wochen mit eher herbstlichen Wetter, kann ich endlich Sommer vermelden.
Es wurde auch Zeit, dass ich mal wieder mehr Grad Celsius über Null habe als ihr unter Null. Stolze 24° zeigt das Thermometer!
Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, es weht nur eine leichte, angenehme Brise.
Heute wäre der Törn von Graciosa bestimmt weniger anstrengend geworden.
Ich nutze den Tag zum Wäsche waschen und trocknen und räume noch ein bisserl.
Die perfekte Ordnung hab ich an Bord noch nicht gefunden, ständig wandern Gegenstände vom Bug nach achtern und umgekehrt.
Z.B. der Werkzeugkasten, anfangs recht häufig benötigt und entsprechend zentral gestaut. In letzter Zeit reichte meist Taschenwerkzeug, daher wandert der schwere Kasten nun unters Cockpit, hinter die Batterien. Ich möchte die seitlichen Stautaschen möglichst frei bekommen um auf See Wasser und sonstigen Ballast einfach nach Luv stauen zu können, das bringt doch merklich Stabilität und betimmt das eine oder andere ° mehr Höhe. Langsam begreife ich, was sich Pascal Conq (der Kontrukteur der Pogo 2) und die Jungs von der Werft bei der Konzeption von Kielbox und Seitentaschen gedacht haben. Mit diesen drei gleichgroßen Stauräumen verfüge ich
quasi über ein Ballasttanksystem und kann mit wenig Aufwand relativ viel Gewicht nach Bedarf positionieren. Da ich zu faul bin, sperrige Dinge wie Segel und Generator unterwegs umzustauen, kann ich so mit Wasser, Werkzeug und Konservendosen (ja, ein paar hab ich dabei, wenn ich auch frische Nahrung deutlich bevorzuge - aber Kokosmilch, Tomaten, Thunfisch und Mais bringt auch Gewicht)wenigstens ein bisschen Gewichtstrim betreiben.
Heute Abend gibt´s Pizza und nen Bierchen mit Celine und Thierry (wobei Celine nichts trinkt, sie ist schwanger... und auf dem Weg in die Südsee! Sehr entspannt und total cool.
Jetzt ist die waschmaschine wohl durch.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Gran Canaria!



Klopf, klopf, klopf... nanu, wer da?
Der Liegplatzinhaber! Ich hab mich freundlichst stur gestellt und an die Hafenmeister verwiesen. - Das hätte jetzt noch gefehlt!
Die Vorgeschichte:
Gestern Mittag bin ich der "Ousanousana" gefolgt, das ist das Schiff des netten, jungen Franzosenpärchen, bei denen ich neulich zur Bowle geladen war.
Die Vorhersage sah so gut aus, dass wir die Chance genutzt haben und gleich bis Gran Canaria gesegelt sind.
Nach harten 24 Stunden auf See, von denen die letzten vier zum abgewöhnen waren, hab ich endlich meinen (bescheidenen) Liegeplatz, habe den ganzen Nachmittag Segel getrocknet, Boot von Salz und Mooringdreck befreut, das Cockpitzelt aufgebaut, das Boot fast komplett durchgeräumt und kurz was gegessen - und jetzt soll ich hier wieder weg. Nur unter Androhung körperlicher oder polizeilicher Gewalt verhole ich jetzt noch.
Ich bleibe.
Die Vorhersagen versprachen einen recht bequemen Tag mit leichten bis mittleren und halben bis raumen Winden.
Wir haben das dann doch anders erlebt.
Zunächst gab es Halbwind mit durchgängig 20 bis 25kn und in kurzen Böen auch mal mit Spitzen von 30kn, immerhin konnte ich noch gut unter Code0 und erstem Reff fahren.
Leider bremste die sehr unsortierte, rauhe See die Surfgänge immer wieder ab.
Bis kurz vor Dunkelheit segelten wir im Schnitt rund 8 Knoten.
Dann fing der Wind an zu schralen und nachzulassen.Teileweise drehte er sich in Sekunden um 70 Grad. Offengestanden hätte ich das ohne Windrichtungsanzeiger bzw. Autopilot nicht segeln können. Wir hätten einfach stampfend, drehend und schaukelnd eingeparkt.
Dann kam der Wind etwas vorlicher und ich der Code0 wurde eingerollt und leider (oder zum Glück?) auch weggepackt.
So ging es bis kurz vor Morgengrauen.
Da ging der Mond unter und direkt drehte der letzte Wind auf 240 Grad - genau mein Kurs. Munteres Schwachwindkreuzen, bei Dunkelheit und verquerer, nicht flacher See.
Hinzu brachen noch zwei richtige Regen-Starkwindwalzen über uns herein.
Binnen ein oder zwei Minuten war die TurTur zwei oder dreimal um sich selbst gedreht - nicht gekentert, quasi entlange der Kompassrose.
Bildlich kämpfe ich dann mit Ruder, backstehender Fock, den Backstagen und meinem vertörnten Lifebelt/Leinen. Manchmal auch mit dem Autopiloten.
Blitzartig war vom Regen alles Salz weggespült. Sichtweite vielleicht 50m?
Dann schrillt plötzlich auch noch der vorher verdächtig ruhige Radarwarner.
Da darf man schonmal fluchten... und das Groß wegnehmen.
Die letzten 15 Meilen haben mich über sechs Stunden gekostet.
Die Hafeneinfahrt dann mit großer Dühnung, zwischen stampfenden Frachtern und hupenden Schnellfähren. Natürlich höchst am Wind.
Dass mir das in dem Moment Spaß gemacht hätte, kann ich nicht behaupten.
Von Steg zu Steg waren es dann 130 Meilen in 24 Stunden.
Dann noch eine etwas unverschämte Hafensekretärin.
Segeln könnte so schön sein.
Oder
Good sailing is one of ten.
Inzwischen kann ich mir aber selbst wieder halbwegs verständlich machen, was mich dazu treibt sowas freiwillig zu machen.
Das Wetter hat sich zwar nach unser Ankunft deutlich verschlechtert und der Wind dreht termingerecht zur Weiterfahrt auf Süd (auf die Nase).
Aber Las Palmas scheint hinter trostloser Fassade doch ganz nett zu sein, zumindest hat mich ein kurzer Rundgang neugierig gemacht. Hier startet nächste Woche der Kaneval. Das passt schon irgendwie.
TurTur ist wieder halbwegs trocken und geordnet, Skipper wohlauf.

Der Ousanousana, (10,40m) hab ich drei Stunden abgenommen.

Montag, 25. Januar 2010

La Graciosa - die Anmutige



Was für eine Wohltat, nach den langen Wochen in Gibraltar fühle ich mich fast wie im Paradies, am Rumpf knistert es wieder und wenn nicht gerade der Windgenerator vom Nachbarschiff pfeift hört man nur den Wind und die Wellen.
Die Tagestemperaturen liegen bei knapp 20 Grad C und Nachts ist es nur wenig kälter, allerdings läßt der frische Wind der letzten Tage noch kein Hochsommergefühl aufkommen.
Das Wasser ist fast wärmer als die Luft und kristallklar, heute hab ich im Neo das Unterwasserschiff gereinigt, es war weniger bewachsen als befürchtet.
Die Insel besteht im wesentlichen aus drei Vulkankegeln und einer Menge Sand und erinnert mich an Ägypten, das ist auch kein Wunder, schließlich stammt auch dieser sand aus der Sahara. Die kleine Ortschaft mit ihren kleinen weißen Häusern hier am Hafen wirkt auch ein wenig wie eine Oase, alles sehr beschaulich und ruhig.
Die Ruhe wird nur von den Fähren mit den Tagestouristen unterbrochen, bei deren Ankunft scheinen sich alle Einheimischen am Anleger zu versammeln um die Ankömmlinge zu begutachten. Dem einen wird ne Autosafari angedreht, dem anderen ein Mountainbike vermietet. Vom Fischfang lebt hier kaum noch einer.
Das hätte auch anders kommen können, vor gut hundert Jahren wollten die Amerikaner die Inseln vom spanischen König kaufen um hier eine Fischfangstation zu errichten, zum Glück wurden die Verträge nie ratifiziert und die Insel blieb von Industrie und McDoof verschont.
Statt großer Trawler liegen an den beiden Schwimmstegen nun überwiegend Langzeitsegler, auch einige "alte Bekannte" sind dabei.
Gestern war ich zu einem Drink bei einem netten, jungen Franzosenpärchen geladen die ich schon in Gibraltar getroffen habe. Die beiden sind auf dem Weg nach Polynesien und es tat gut zu hören, dass ich mit meinen Zweifeln am europäischem "way of life" nicht alleine stehe. Schade, dass meine TurTur nicht das richtige Boot ist um ebenso weite Ziele anzupeilen.
Denn bei allem Segelspaß bleibt Minisegeln eher ein Leben im Zelt und auf Dauer dürfte es schon ein Caravan sein.
Nach einigen Gesprächen und der Lektüre von Hafenführern bin ich am überlegen die Inseln Lanzarote (kenn ich schon) und Fuerteventura (wenige bzw nur teure Häfen) auszulassen und direkt nach Gran Canaria zu segeln.
Der 110 Meilen Törn wäre auch mit meinen schwachen Batterien kein Problem und dort gäbe es auch gute Bezugsmöglichkeiten für neue Akkus.
Meine alten bekomme ich nur mit Solarstrom kaum mehr geladen und da es hier keinen Landstrom gibt werd ich wohl nochmal meinen Chinagenerator bemühen müssen.
Da es morgen eh nochmal recht kräftig pusten soll, habe ich vor mir ein Rad zu mieten, die Insel zu erkunden und an einer leewärtigen Bucht ein bisschen schnorcheln zu gehen.
Vor Mittwoch oder Donnerstag gehts also nicht weiter.

Samstag, 23. Januar 2010

Freitag, 22.01.2010


Um 03.15 Uhr hat der Wind sich ausgepustet, schlagartig sinkt er unter die für einen Mini so entscheidene 5-Knotenmarke. Darunter geht fast garnichts.
Es sind noch 15 Meilen bis zur Isla La Graciosa und wir nutzen das mitgeschleppte Benzin und werfen den Motor an.
Um 7.30 Uhr Bordzeit (06.30 Ortszeit) laufen wir in La Graciosa ein und finden einen Platz am Schwimmsteg.
Glücklich und auch ein wenig stolz haben wir wieder festen Boden unter den Füßen.
Es folgt das obligatorische Anlegebier mit einer Tüte Chips, dann wird das Boot aufgeräumt und erste Nachrichten aus und in die Heimat werden gelesen und geschrieben.
Auch wenn es keine Traumbedingungen waren und wir fast doppelt so lange gebraucht haben wie mit optimalen Winden möglich - das wussten wir aber schon beim Start in Gibraltar - so sind wir doch beide begeistert von dieser Erfahrung. Es waren tolle 700 Meilen und Coskipper und Skipper haben sich prima verstanden.
Es bleibt die Erkenntnis, dass Mini langstreckensegeln digital ist. Entweder man segelt oder man schläft, dazwischen gibt es fast nichts.
Jetzt werde ich mich ein paar Tage auf La Graciosa verlustieren und dann weiter die kanarischen Inseln abklappern, zunächst Lanzarote, dann Fuerte, Gran Canaria usw.
wenn nichts dazwischen kommt.
Der genaue Kursverlauf und exakte Daten folgen in den nächsten Tagen.

Donnerstag, 21.01.2010

Morgens um 05.00 Uhr wird der Rauschefahrt ein jähes Ende gesetzt, während des Wachwechsels bricht der Halsblock des Spinnakers und läßt das dünne Tuch weit am Masttop auswehen, gemeinsam bekommen wir ihn aber dennoch ohne Schäden (wie sich später zeigt) geborgen und entscheiden mit dem erneuten Setzen bis zum Morgengrauen zu warten. Leider sinkt so auch unsere Geschwindigkeit von 7-10 auf nur noch 4,5Knoten.
Es war aber buchstäblich die letzte Böe die den Block zerrissen hat, die 10 Knoten sollen wir auf diesem Törn auch mit repariertem Spiblock nicht mehr erreichen.
Morgens liegen noch hundert Meilen vor uns.
Fortan kämpfen wir mit der 5-Knotenmarke und uns langsam dem Ziel entgegen.
Der Schlaf der Crew wird immer tiefer, am Ende der Wache wird es zunehmend schwierig den anderen wach zu bekommen, ein leises Rufen des Namens reicht nicht mehr.

Mittwoch, 20.01.2010


Seit etwa 02.00 Uhr weht endlich der versprochene NNE Wind, zwar nur schwach aber immerhin können wir wieder den 80qm Spi setzen und fast auf Zielkurs gehen.
Im Laufe des Morgen nimmt der Wind dann zu und gegen 10.00 Uhr weht es mit stolzen 16 Knoten weiterhin aus NNE, unter Groß und Spi brettern wir mit 8 Knoten durch die Wellen dem Ziel entgegen, immer wieder surfen wir die Wellen mit 10 Knoten und mehr ab.
Ein erneuter Funkkontakt, diesmal mit dem Frachter "Westerland" bestätigt die Wetteraussichten für die Kanaren, sonnig mit E-NE 3-5 Bft, rough sea.
Kurz vor Mittag bricht die Halsleine des Spinnakers, wir bergen den Spi, knoten die Leine erneut an und schon steigt unser Ballon wieder in die Höhe.
Weiter geht die Rauschefahrt mit 8 Knoten in Richtung Ziel!
Am Abend trennen uns noch 164 Meilen von den Kanaren.

Dienstag, 19.01.2010


06.30 Uhr Der Tanker Gaschem Rhone kommt uns entgegen und gleichzeitig kommt von achtern ein anderes Dickschiff auf. Um nicht durch irgendwelche Ausweichmanöver in schwierigkeiten zu geraten nehme ich Funkkontakt mit beiden auf.
Zunächst hatte uns die Gaschem Rhone noch nicht bemerkt, erst nach Justierung des Radars fanden sie unser Echo. Für mein AIS Signal waren die Entfernungen wohl noch zu groß. Aber der freundliche deutsche Offizier bringt auch frohe Botschaft:
Die Wetterprognosen sind nicht verworfen worden, es sollen nördliche Winde kommen.
Zum Ende des Funkgesprächs fragt der Offizier ob er sonst noch was für uns tun könnte, ich überlege kurz ob ich mich nach dem Speiseplan der Bordkantine und einem Bier erkundigen soll, frage dann aber doch ob er die Sorgen meiner Eltern mit einem Anruf in Cuxhaven mildern könnte. Er verspricht den Anruf am Donnerstag vom Zielhafen aus zu erledigen. Wie ich inzwischen weiß, hat er wohl doch sein Satellitentelefon benutzt und meinen Vater noch am Dienstag Abend erreicht. Toll!
Auch an dieser Stelle nochmal vielen Dank an die "Gaschem Rhone"!
Erst am Nachmittag beginnt der Wind dann langsam aufzufrischen und zu drehen, wir schmeissen nochmal den Generator an und setzen den Code0.
Ab 16.30 Uhr geht der Wind über 13 Knoten und sorgt für bis zu 8 Knoten Geschwindigkeit in Richtung Lanzarote. Erstmals zeigt das GPS wieder ein passendes ETA für Eddies Rückflug. Aber 325 Meilen sind noch ein langer Weg.
Erneut eine Walsichtung, diesmal ist es ein kleineres, etwa drei Meter langes Exemplar, vielleicht ein Beluga?
Am Abend sind wir gezwungen etwa 30 Grad vom Zielkurs abzuweichen, laufen aber weiterhin knapp 6 Knoten.

Montag, 18.01.2010


Der Wind weht weiter mit 18 Knoten aus SW, um 03.00 Uhr entschließe ich mich die Genua von Deck zu räumen und die Fock zu setzen, ohne Vorsegel läuft die TurTur einfach zu unausgeglichen und Rudergehen wird anstrengend.
Nun haben wir einen Sack nasser Folie unter Deck, langsam breitet sich Unordnung aus.
Im Verlauf der Nacht legt der Wind noch etwas zu, so dass ich überlege ein Reff ins Groß zu binden, entscheide aber noch zu warten. Zum Glück!
Um 5.30 Uhr bricht an einem Block der Großschot der Hahnepot und der Baum rauscht aus.
Ich drehe erstmal bei und wecke Eddie, dann berge ich das Großsegel.
Geemeinsam suchen wir eine Behelfslösung und bändseln die Talje der Großschot mit einem Dyneemastropp direkt an den Travellerschlitten, das sollte hinhauen.
Mit dem Setzen des Großsegels warten wir aber bis zum Morgengrauen.
Statt dessen kommt erneut der Generator zum Einsatz, während die Fock uns unter Autopilot mit 2,5 Knoten gen Süden zieht, gönnt sich die gesamte Crew ein wenig Ruhe (beim Rattern des Generators ein schlechter Witz) unter Deck. Radarwarner und AIS gehen Wache.
Mit der Sonne steigt auch das Großsegel am Mast hinauf, der Wind aus SW dreht langsam auf West, immer noch genau auf die Nase. Wir haben noch mindestens 400 Meilen vor uns und verlieren langsam die Hoffnung Eddies Rückflug am Freitag Mittag von Lanzarote erreichen zu können. Die Stimmung sackt etwas ab.
Immerhin: Die Windprognosen vom vergangenen Donnerstag versprachen für den morgigen Dienstag einsetzende Nordwinde.
Auf 5-Tages-Prognosen gebe ich normalerweise garnichts aber nun war ich fest vom Können der amerikanischen Wetter-großrechner überzeugt!
Auch am Abend sieht es nicht viel besser aus, in acht Stunden haben wir nur 20 Meilen zum Ziel gutmachen können, ein Trauerspiel.
Was hilft es? Wir müssen weiter! Süden, Westen, Süden!

Sonntag, 17.01.2010

Auch am Sonntag ließen der Wind zunächst auf sich warten.
Am frühen Morgen sackte die Spannung beider Batterien unter 12V und der Generator kam zu seiner Premiere. Im Cockpit verzurrt sorgte er für drei Stunden für Lärm und Gestank aber eben auch für Energie in den Akkus. Die Stimmung der Crew steigt und fällt bekanntlich mit dem Ladezustand der Batterien.
Gegen Mittag begann der Wind dann endlich zu wehen, aus ENE mit rund 10 Knoten, unter Groß und Spi segeln wir mit etwa 6 Knoten genau auf Zielkurs, endlich! Die ersten zweieinhalb Tage haben uns nur etwa 100 Meilen näher ans Ziel gebracht.
Magere Etmale.
Offensichtlich hat der Einsatz von Generator und Ladegerät unser E-System etwas durcheinander gebracht, der Solar-Laderegler hat seinen Dienst quittiert.
Erst nachdem wir die Sicherungen und die Anschlußkabel der Solarpanele entfernt und wieder installiert haben, entschließt sich der Regler zu einem Reset und lädt die Batterien. Sobald die Wettersituation es zuläßt nutzen wir inzwischen auch das zweite, mobile Panel. Zusammen können wir so im Optimalfall ca. 150W also etwa 8-9 Ampere pro Stunde in die Batterien einspeisen.
Den ganzen Nachmittag zieht uns nun der Spi in richtung Kanaren. Erst um 20.00 Uhr dreht der Wind vorlich. Wir sind schon dabei den Code0 zu setzen als sich zeigt, dass es eher ein Amwindkurs werden wird. Also Groß und Genua.
Immerhin frischt der Wind weiter auf und wir segeln mit etwa 6 Knoten dem Ziel entgegen. Um 20.30 sind es noch 429 Meilen bis Lanzarote.
Im Verlauf des Abends nimmt der Wind weiter zu, gegen 22 Uhr erreicht er 18 Knoten und wir nehmen die Genua weg, trauen dem braten aber noch nicht und segeln erstmal nur unter Groß, das klappt erstaunlich gut, 55 Grad am Wind und 5,2 Knoten Speed.
In der Dunkelheit wird Eddie von einem Wal aufgeschreckt, der dicht neben uns auftaucht und bläßt, nur kurz ist der graue Rücken querab auszumachen.
Auch andere Tiere liessen sich blicken, immer wieder Delphine und auch kleine fliegende Fische. Einzelnd aber auch in Schwärmen erinnern diese an nasse Kolibris. Mit hoher Schlagfrequenz fliegen sie erstaunliche Kurven ums Boot.
Ich dachte bisher die Jungs gibts nur weiter im Süden.

Samstag, 16.01.2010


Nicht einmal zeigt der Windmesser an diesem Tag mehr als fünf Knoten Wind, man könnte glauben wir sind einige hundert Meilen weiter im Süden, in den Doldrums, den Rossbreiten, den Zonen schwachen Windes in Äquatornähe aber nein, wir treiben weiter im sturmgeplagten Nordatlantik und kämpfen um jede Meile nach Süden oder Westen.
Immerhi werden wir wiedermal von Delphinen begleitet, deren Spiel am Bug bringt Abwechslung und ein Grinsen in unsere Gesichter.
Gegen Abend wird es noch flauer, der Spi ist schon lange unten und die Fock gegen die Genua getauscht, dennoch ist eher treiben als segeln angesagt.
Ab 21.00 bis Mitternacht zeigt das Instrument nicht eine Sekunde mehr als einen Knoten Wind an, langsam freunde ich mich mit der Flaute an, genieße den sich mit Ozean spiegelnden Sternenhimmel und staune über die mächtige Dünung die aus NW heran rollt, irgendwo da oben war mal viel Wind...
Selbst große Frachter in direkter Nähe werden von den Wogen verdeckt, beeindruckend.

Während wir so dahin treiben, kommt aus Westen mit 15 Knoten die "Giovanni della Gatta", ein 225m langer Frachter auf uns zu, das AIS System errechnet eine Annäherung auf bis zu 0,2sm. Ich versuche eine Kontaktaufnahme, zunächst sende ich per DSC Funk einen Positionsreport, keine Reaktion.
Dann beleuchte ich mit dem Scheinwerfer unsere Segel, keine Reaktion.
Auch meine Anrufe auf Kanal 16 werden ignoriert.
Vermutlich hat er uns die ganze zeit auf dem Schirm gehabt und nur keine Lust verspürt mit uns zu schnacken, denn kaum hat er uns passiert, dreht er, obwohl Ziel Gibraltar, um fast 180 Grad auf Kurs 250 Grad und passiert uns erneut.
Ich vermute schon, dass der Käpitän ein Spielchen mit uns spielt, wendet er doch erneut und passiert und wiederum in kurzer Distanz. Ganz schön aufregend, so ohne Fahrt im Schiff bei völliger Dunkelheit.
Des Rätsels Lösung ist vermutlich die, dass der Frachter auf seine Passagezeit für die Straße von Gibraltar warten musste und nur einige Runden gedreht hat.
Auf Wind warten wir an diesem Tag vergeblich, es kehrt eine unglaubliche Stille ein, ein bisschen Plätschern am Heck, das leise Rattern der Windlupe, Eddies ruhiger Atem aus der Koje und dann und wann der Puster eines Delphins, sonst nichts.
Ozeanische Ruhe.